Geschichte und Vorkommen

Weil die Zitronenmelisse (Melissa officinalis) die liebste Pflanze der Bienen ist, wird sie auch Bienenkraut genannt. Melissa ist auch das griechische Wort für Biene – für sie wird die Heil- und Küchenkraut seit langem als Futterpflanze angebaut. Die Heilkräfte der Zitronenmelisse sind seit mehr als 2000 Jahren bekannt. Der römische Schriftsteller und Autor des naturwissenschaftlichen Sammelwerks „Naturalis historia“ Plinius d. Ä. (24 – 79 n. Chr.) bezeichnete das Kraut als Mittel gegen Hysterie. Arabische Ärzte schätzten ihre Wirkung gegen nervöse Angstzustände und Kopfschmerzen sowie bei Herzproblemen. Durch die Araber gelangte das Kraut im 10. Jahrhundert nach Spanien und fand so Einzug in die europäischen Klostergärten.
Benediktiner brachten sie nach Deutschland. Die Äbtissin und Naturheilkundlerin Hildegard von Bingen (1098–1179) sprach die folgende Empfehlung aus: „Eine Tasse Melissentee vor dem Schlafengehen getrunken, bringt gute Träume.“ Paracelsus (1493–1541) rühmte die Melisse später als „das beste Kräutlein für das Herz“.
Ursprünglich ist die Pflanze in Südeuropa, Nordafrika und Westasien zu Hause. Heute findet man sie als Kulturpflanze auf der ganzen Welt. Sie benötigt gut durchlässigen, feuchten Böden und einen sonnigen, geschützten Standort.

Inhaltsstoffe, Wirkung und Anwendung

Mit 253 Milligramm Vitamin C auf 100 g frische Zitronenmelisse ist das Kraut ein Spitzenreiter unter den Vitamin C-Bomben. Zum Vergleich: Die gleiche Menge Petersilie enthält 160 mg, Zitrone „nur“ gut 50 g. In den Blättern der Pflanze befindet sich ätherisches Öl, das Melissenöl. Es ist wichtigster Bestandteil des legendären Hausmittels Melissengeist, das nicht nur Kopfschmerzen und Völlegefühl, sondern auch rheumatische Beschwerden lindert. Weiter sind Gerb-, Bitter- und Schleimstoffe sowie Harz in der Zitronenmelisse enthalten. Tee aus Melisseblättern hilft bei leichteren Herzbeschwerden, Störungen im Magen-Darm-Bereich und Frauenleiden. Auch gegen Schwermut wird Melisse eingesetzt. Wissenschaftlich anerkannt ist die positive Wirkung der Zitronenmelisse bei Unruhezuständen und Einschlafstörungen. Zudem schmeckt er mit seinem zitronenartigen Aroma einfach gut als Genusstee. Melissenextrakt wird auch in Form einer Creme gegen Lippenherpes eingesetzt.

Allgemeine Hinweise

Die Zitronenmelisse gehört zur Familie der Lippenblütler und wird 30 – 90 cm groß. Ihre stark nach Zitrone duftenden, leicht behaarten Blättchen wachsen an vierkantigen Stängeln und sind gezackt. Sie sollten geerntet werden, bevor die Pflanze blüht, weil sie dann am aromatischsten sind. Die Blüten können bläulich- oder gelblich-weiß sein. In der Küche lassen sich die frischen Blättchen vielfach verwenden. Sie schmecken feingehackt in Salaten, Kräutersaucen, Fischgerichten, Lammfleisch, Süßspeisen und Sommerdrinks, sollten aber niemals mitgekocht werden.