Geschichte und Vorkommen

Der Topinambur (Helianthus tuberosus) stammt aus der „Neuen Welt“ und zählte einst zu den Hautnahrungsmittel der Indianer. Daher wird die Knolle auch Indianerkartoffel genannt. Andere Namen sind Erdschocke, -birne und Jerusalem-Artischocke. Heimkehrende Seefahrer brachten das Gemüse aus Amerika mit. Am beliebtesten wurde es in Frankreich, wo es bis heute angebaut wird. Bei uns ist es infolge der Verbreitung der Kartoffel über lange Zeit nahezu in Vergessenheit geraten. Eine Ausnahme stellt Südbaden dar, wo Schnaps aus den Knollen noch immer sehr beliebt ist. Im ökologischen Landbau kommt Topinambur nun auch im restlichen Deutschland wieder zu neuen Ehren. Zu Recht, denn die braunen Knollen der Sonnenblumen-Verwandten sind sehr wohlschmeckend. Ihr helles Fruchtfleisch erinnert an Artischocke und Schwarzwurzel.

Inhaltsstoffe, Wirkung und Anwendung

Im Topinambur enthaltene Mineralstoffe sind Kalium, Calcium, Phosphor, Eisen und Silizium. Wichtige Vitamine sind B1, B2, B6, C, D, Niacin und Folsäure. Vor allem für Diabetiker sind die Knollen interessant. Denn sie enthalten den Mehrfachzucker Inulin, der im Dünndarm nicht verdaut wird. So können Diabetiker die sättigenden Knollen verzehren, ohne viele Kohlenhydrateinheiten (ehemals Broteinheiten oder BE) berechnen zu müssen. Wenn das Inulin dann in den Dickdarm gelangt, tut es auch noch Gutes: Es verbessert die Darmflora, indem es das Wachstum gutartiger Bakterien vorantreibt. Jedoch schafft es Inulin nicht, die Blutzuckerwerte zu senken. Es wirkt aber Appetit hemmend. Daher kann es beim Abnehmen helfen.

Allgemeine Hinweise

Topinamburpflanzen werden 2–3 Meter hoch. An ihren herz- bis lanzettenförmigen, rauen Blättern ist die Verwandtschaft mit der Sonnenblume leicht zu erkennen. Ab September schmücken ihre dottergelben bis rotbraunen Blüten die Gärten. An den Wurzeln der Pflanze bilden sich bucklige, bewurzelte Knollen, die so groß wie Kartoffeln werden können. Im Prinzip lassen sich Topinamburs nach fast allen Kartoffelrezepten zubereiten. Zuvor sollten sie wie Kartoffeln dünn geschält oder zumindest geschrubbt werden. Die geschälte rohe Knolle vor der Zubereitung am besten in kaltes Wasser mit etwas Zitronensaft legen, weil das Gemüse schnell grau wird. Topinamburs schmecken gekocht, püriert, gebraten, frittiert, im Soufflé und als Gratin. Eine ganze Knolle ist nach etwa 20 Minuten gar, kleine Würfel nach 10 Minuten. In Sand eingegraben halten sie sich bis zu zwei Monate. Ansonsten sollte man die Knollen nicht länger als fünf Tage im Kühlschrank aufbewahren, am besten eingeschlagen in ein feuchtes Tuch.