Geschichte und Vorkommen

Die Sonnenblume, auch Helianthus annuus genannt, gehört zur Familie der Korbblüter. Ihr Name setzt sich zusammen aus den griechischen Worten„helios“ (=Sonne) und anthos (=Blume). Sie wurde bereits von den Azteken verehrt und gelangte durch spanische Seefahrer im 16. Jahrhundert zu uns nach Europa. Sie erreicht eine Wuchshöhe von ein bis zwei Metern, bildet keine Knollen und ist bis zu zwei Meter tief verwurzelt. Die Blütezeit ist zwischen Juli und September, wobei pro Pflanze immer nur eine Blüte entsteht. Zu den Hauptanbaugebieten zählen heutzutage China, USA, Russland, die Ukraine, aber auch der Rest Europas.

Inhaltsstoffe, Wirkung und Anwendung

Abgesehen davon, dass sich die Sonnenblume als Zierpflanze mit ihrer sonnengelben Farbe gut zur Dekoration eignet und ihre Kerne als Vogelfutter dienen, verbirgt sie noch einige weitere Fähigkeiten.
Zum Einen nutzt man die Sonnenblumenkerne als Zugabe zu Salaten, in Backwaren oder als Imbiss zwischendurch. Die Samen der Pflanze, die im September geerntet werden, haben einen überaus hohen Gehalt an ungesättigten Fettsäuren. Zudem enthalten sie Karotin, Calcium, Iod, Magnesium und die Vitamine E, B, A und F und sind daher ein äußerst gesundes Nährmittel.
Werden die reifen Sonnenblumensamen geschält, gemahlen und anschließend kalt ausgepresst, so entsteht das ebenso wertvolle Sonnenblumenöl.
Aus dem Öl wird derzeit auch verstärkt Lecithin gewonnen. Es stellt eine Alternative zu dem etwas in Verruf geratenen Soja-Lecithin dar. Die Lecithinausbeute bei der Produktion liegt bei Soja bei 0,6% auf die Bohnen, bei Sonnenblumensaaten beträgt der Wert 0,2%. Die erhöhte Nachfrage und eine gleichzeitige Verknappung des Produkts, die unter anderem auch auf die Ausläufer des Krieges in Osteuropa zurückzuführen ist, ließen den Preis in den letzten Wochen um 31% steigen. Das Sonnenblumenlecithin enthält Phospholipide, die eine natürliche Quelle für Cholin und Phosphor sind. Diese wiederum sorgen unter anderem für einen normalen Fett- und Energiestoffwechsel und eine reguläre Leberfunktion. Der Vorteil besteht darin, dass derzeit noch keine gentechnisch veränderten Sonnenblumensaaten existieren und es zudem nicht allergen wirkt.
Mithilfe eines patentierten Verfahrens einer speziellen Kaltpressung können geschälte Sonnenblumenkerne teilentölt werden, wobei ein Presskuchen entsteht, der anschließend unter Sauerstoffentzug fein vermahlen wird. Das so produzierte Sonnenblumeneiweiß enthält alle essentiellen Aminosäuren, B-Vitamine, wertvolle Polyphenole und ist zudem reich an Ballaststoffen. Es weist einen Proteingehalt von circa 45 Prozent auf. Generell weisen Korbblütler und Hülsenfrüchte wie beispielsweise Sojabohnen und Lupinen besonders viel pflanzliches Protein auf.
Übriges Gemüse, einschließlich der Leguminosen wie Sojabohnen, Erbsen, etc. beinhalten aber im Gegensatz zur Sonnenblume einen niedrigeren Gehalt der schwefelhaltigen Aminosäuren Cystin und Methionin. Daher ist das Sonnenblumenprotein eine ideale Ergänzung zu den Leguminosen (Soja), um die biologische Wertigkeit zu steigern. Außerdem ist es eine geeignete Alternative für Vegetarier und Veganer im Hinblick auf die Eiweißkost nach Dr. Johanna Budwig. Hierbei nutzt man schwefelhaltige Aminosäuren von Quark, um Öl besser für den Körper verwertbar zu machen. Mit seinen schwefelhaltigen Aminosäuren kann dafür auch das Sonnenblumeneiweiß genutzt werden.

Allgemeine Hinweise

Ursprünglich verdankt die Sonnenblume ihren Namen der griechischen Mythologie, da der Name Bezug auf ein Gedicht Ovids nimmt. Es handelt von dem Mädchen Clytia, das unglücklich in Gott Apollon verliebt ist und sich daraufhin nackt auf einen Felsen setzt, ohne zu essen oder zu trinken. Nach neun kummervollen Tagen, in denen sie zusah, wie Apollo seinen Wagen über den Himmel bewegte, verwandelt sie sich schließlich in eine Blume, die ihre Blüte stets nach der Sonne, also Apollos Sonnenwagen dreht. Obwohl das Gewächs aus der Mythologie etwas anderes gewesen sein muss, da die heute als Sonnenblume bezeichnete Pflanze aus Amerika stammt, haben sie die Ausrichtung mit der Sonne gemeinsam. Der enthaltene Stoff Auxin sorgt dafür, dass die im Schatten liegende Seite des Blütenstandes schneller wächst und dieser sich somit nach der Sonne ausrichtet. Daher neigt sich der Stängel der Sonne zu. Diese Eigenschaft nennt man Heliotropismus und ermöglicht der Pflanze eine höhere Photosyntheseleistung.