Arten, Extrakt, Synonyme

Rhodiola rosea

Geschichte und Vorkommen

Rosenwurz (Rhodiola rosea) stammt aus den kalten arktischen Regionen Sibiriens. Bereits die Wikinger setzten die Pflanze als Tee oder Gemüse zur Stärkung ihrer Kräfte und Ausdauer ein – Eskimos und Lappen sollen sie noch heute wegen ihrer anregenden Wirkung essen. In den Bergtälern Sibiriens erhielt das Brautpaar bei der Hochzeit ein Bündel der Wurzelknollen, damit sie viele, gesunde Kinder bekommen sollten. In Mittelasien war der Tee aus Rhodiola das probate Mittel gegen Erkältung, Schnupfen und Husten während der strengen Winter. Die chinesischen Kaiser nannten sie ehrfurchtsvoll „Goldene Wurzel“. Wegen des rosenartigen Geruchs eines frisch angeschnittenen Wurzelstocks gab der schwedische Botaniker Carl von Linné dieser Pflanze den Namen Rhodiola rosea. Zwischen 1775 und 1960 erwähnt die wissenschaftliche Literatur Schwedens, Norwegens, Islands, Russlands, Frankreichs und Deutschlands verschiedene medizinische Anwendungen. Seit 1960 wurden mehr als 180 Studien über die Rhodiola rosea veröffentlicht. Da die meisten davon entweder in slawischer oder skandinavischer Sprache vorliegen, blieben die Ergebnisse im übrigen Europa weitestgehend unbekannt.

Inhaltsstoffe, Wirkung und Anwendung

Die Verwendung von Rhodiola rosea in der traditionellen Volksmedizin ist vielfältig. Ihr Wurzelextrakt soll die körperliche Ausdauer erhöhen, die Arbeitsleistung steigern, langes Leben ermöglichen, Höhenkrankheit verhindern, Müdigkeit, Blutarmut, Impotenz, gastrointestinale Beschwerden, Infektionen und nervöse Störungen bekämpfen, vor geistigem und körperlichem Stress, Giften und Erkältungen schützen. Der genaue Wirkmechanismus ist noch nicht vollständig entschlüsselt. Sechs Gruppen von Inhaltsstoffen sind inzwischen isoliert: Phenylethanoide, Flavonoide, Monoterpene, Triterpene, phenolische Säuren und die Phenylpropanoide. Hauptwirkstoffe scheinen das Salidrosid aus der Gruppe der Phenylethanoide sowie die Zimtalkoholderivate Rosavin, Rosin und Rosarin, auch Rosavine genannt, aus der Gruppe der Phenylpropanoide zu sein. Wahrscheinlich harmonisieren sie den Stoffwechsel wichtiger Botenstoffe im Gehirn, wie Serotonin, Dopamin, Noradrenalin und Acetylcholin. Diese Botenstoffe dienen der Verarbeitung und Speicherung von Informationen. Ihr optimales Zusammenwirken ist verantwortlich für die geistige Leistung und das Gedächtnis. Antioxidative Substanzen sollen zudem die Gehirnzellen vor den schädlichen Einflüssen freier Radikale schützen. Die Inhaltsstoffe der Rhodiola rosea wirken adaptogen, das heißt, sie verbessern die Anpassungsfähigkeit des Organismus an außergewöhnliche Belastungen und erhöhen die natürliche Widerstandsfähigkeit. Stressbedingte Beeinträchtigungen der Hirntätigkeit werden so reduziert und Belastungssituationen, sei es im Berufs- oder Privatleben, werden besser verkraftet.

Allgemeine Hinweise

Rhodiola-rosea-Extrakt sollte bereits einige Wochen vor der erwarteten Stresssituation und während der Dauer der Belastung eingenommen werden. Wegen ihrer anregenden Wirkung sollte die Einnahme in der ersten Tageshälfte erfolgen. Während der Schwangerschaft und Stillzeit sollten Frauen von einer Einnahme absehen.