Beschreibung und Vorkommen

Sowohl Reiskeim als auch Reiskleie – beide sind Bestandteile des Reiskorns. Es wächst an breit gefächerten, 20–30 cm langen Rispen – in den meisten Fällen im Wasser als Sumpfreis. Für ein Drittel der Weltbevölkerung ist Reis (Oryza sativa) das Hauptnahrungsmittel. Die bis zu 180 cm hohe Getreidepflanze stammt aus den tropischen Gegenden Asiens. Die wichtigsten Anbauländer sind China, Indien, Japan, Vietnam und Bangladesch und mittlerweile auch Brasilien. Im Inneren des Reiskorns befindet sich der Keim, aus dem ein neues Reispflänzchen entstehen kann. Eingebettet in einen stärkehaltigen Mehlkörper und geschützt durch Samen- und Fruchtschale sowie die wertvolle Aleuronschicht lässt es sich nicht ohne weiteres an den Keim herankommen. Eine Möglichkeit ist das Mahlen zu Mehl: Dabei bleiben nicht nur Schalen und Randschicht, die so genannte Reiskleie, übrig, sondern auch der Keimling.

Inhaltsstoffe, Wirkung und Anwendung

Im Reiskeim sind Eiweiß, Vitamine, Mineralstoffe und ungesättigte Fettsäuren enthalten. Ein weiterer Inhaltsstoff ist die Glutaminsäure, eine für den Körper nicht essenzielle Aminosäure, da er sie selbst produzieren kann, die aber in Reiskeimen in der besonders günstigen Kombination mit Vitamin B1 und B6 vorkommt. Die Glutaminsäure ist Baustein für einen Botenstoff, der für den Informationstransport über die Nervenbahnen und für die Verarbeitung der Sehimpulse sorgt. In der Kosmetik wird der Extrakt von Reiskeimen für Cremes verwendet, die beruhigend auf die Haut wirken. Zudem schützt Reiskeimextrakt vor UV-Strahlung und ist Bestandteil verschiedener Sonnenschutzmittel. Auch in Trockenfutter für Hunde ist es oft enthalten.
Reiskleie ist reich an löslichen Ballaststoffen. Sie enthält Cellulose, die Wasser aufnehmen und Schadstoffe schneller durch den Dickdarm transportieren kann. Weitere positive Wirkungen auf den Darm: Verhinderung von Verstopfungen, Hämorrhoiden und Darmkrebs. Ebenfalls in Reiskleie enthalten ist der Faserstoff Lignin. Er verbindet sich mit Gallensäure und kann den Cholesterinspiegel senken. Last but not least enthält Reiskleie Vitamin B6. Es wurde 1934 erste Mal aus dem „Abfallprodukt“ vom Reis isoliert.

Allgemeine Hinweise

Bei schlechter Versorgung mit Vitamin B6 treten keine ausgesprochenen Mangelerscheinungen auf wie bei Vitamin-C-Mangel (Skorbut), Vitamin-D-Mangel (Rachitis) oder Vitamin-B1-Mangel (Beri Beri). Trotzdem litten auf einer Säuglingsstation in den 50er Jahren in den USA die Babys unter schweren Krämpfen, Erbrechen und Übererregbarkeit. Grund: Durch die Sterilisation von Trockenmilch war das enthaltene Vitamin B6 zerstört waren. Seitdem gibt es Trockenmilch für Babys mit Vitamin-Zusatz.