Beschreibung, Geschichte und Vorkommen

Zwei Substanzen sind es, die beide unter dem Oberbegriff Niacin zusammengefasst werden: Nikotinsäure und Nikotinamid (Nikotinsäureamid). Sie gehören zur großen Familie der wasserlöslichen B-Vitamine, Niacin hieß deshalb früher auch Vitamin B3. In tierischen Lebensmitteln wie Muskelfleisch und Innereien ist Niacin als Nicotinamid vorhanden, in pflanzlichen als Nikotinsäure. Große Mengen davon befinden sich in der Aleuronschicht von Getreide, direkt unter der Schale. Weitere gute Niacinquellen sind Hefe, Hülsenfrüchte, Pilze, Nüsse und grünes Blattgemüse. Jedoch kann das Vitamin auch im Stoffwechsel des Menschen gebildet werden. Es entsteht als Nebenprodukt beim Abbau der Aminosäure Tryptophan. Zum größten Teil nehmen wir es aber über unsere Nahrung auf. Gegen Hitze und Sauerstoff ist das Vitamin relativ stabil. Erstmals isoliert wurde Nikotinsäure 1914. Zu dieser Zeit war nch die Hautkrankheit Pellagra verbreitet, deren Ursache Niacinmangel ist. In Europa trat sie durch die Einführung von Mais auf. Der enthält zwar Niacin, aber so fest eingebunden, dass der Darm es nicht verwerten kann. Von den nordamerikanischen Ureinwohnern war dieses Problem durch eine Behandlung mit Kalkwasser gelöst worden. Die Europäer, die sich nun plötzlich vorwiegend mit Mais ernährten, wussten davon nichts. Mithilfe von Nikotinamid konnte Pellagra 1937 erstmals geheilt werden. Heute ist ein Niacinmangel kaum noch anzutreffen.

Wirkung und Anwendung

Nicht nur für unsere Haut ist Niacin unerlässlich, damit sie sich gut regenerieren kann. Wir benötigen es auch zur Produktion vieler Enzyme sowie der Coenzyme NAD und NADP, die wichtig für den gesamten Stoffwechsel sind. Ebenso trägt Niacin zur Energiegewinnung bei, bildet Neurotransmitter und kann die Blutgefäße erweitern. Es senkt die Blutfettwerte und lässt die HDL-Werte ansteigen. Eine genaue Festlegung des täglichen Bedarfs an dem Vitamin ist schwierig, da wir es auch selbst bilden können. Weil es an der Energiegewinnung beteiligt ist, sollten schwer arbeitende Menschen in jedem Fall auf eine besonders gute Niacinversorgung achten. Dies gilt auch für Schwangere und Stillende, Raucher und Menschen, die viel Alkohol trinken. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt erwachsenen Männern 18 Milligramm (enthalten in z.B. 110 Gramm Kaninchenfleisch) und Frauen 15 Milligramm pro Tag (enthalten in z.B. 100 Gramm Erdnüssen).

Allgemeine Hinweise

Nur zwei bis sechs Wochen kann das Vitamin von unserem Körper gespeichert werden. Es wird dem Organismus nur in den jeweils benötigen Mengen zur Verfügung gestellt. Zu einer Überdosierung von Niacin kann es nur durch hohe Dosen von Zusatzpräparaten ab 1,5 Gramm pro Tag kommen.