Geschichte und Vorkommen

Ursprünglich stammt die Nachkerze, die zur Familie der Oenotheraceae zählt, aus Nordamerika. Es handelt sich dabei um ein zweijähriges Gewächs, das gelbe, manchmal auch rosa Blüten und leicht gerötete, fleischige Wurzeln besitzt. Weil sie gekochtem Schinken ähneln, nennt man die Wurzeln auch „Schinkenwurzeln“. Seit Beginn des 19. Jahrhunderts findet man die Nachtkerze auch in Europa, wo sie meist wildwachsend an Wegrändern, auf Schuttplätzen und auf sandigen, lehmigen Böden vorzufinden ist. Zudem wird sie oft in Hausgärten kultiviert. Da die Wurzeln nach der Blüte ungenießbar sind, werden Nachtkerzen grundsätzlich vor der Blüte geerntet.

Inhaltsstoffe, Wirkung & Anwendung

Sowohl die Nachtkerzenblätter, als auch die -wurzeln, haben eine sättigende Wirkung. Sie schmecken herzhaft nussig, ähnlich der Schwarzwurzel. Die Hauptinhaltsstoffe sind Biotin und ungesättigte Fettsäuren. Die Wurzel ist eiweiß- und nährstoffreich und enthält einige Gerb- und Schleimstoffe.
Blätter und Wurzeln können zu Gemüse oder Salat verarbeitet werden. Die Wurzeln müssen dabei, ähnlich wie Schwarzwurzeln, geschält und grob zerkleinert werden, bevor man sie mit den Blättern zusammen dünstet oder kocht. Sie können aber auch geschält und geraspelt als Rohkost gegessen werden.
Aus den Samen der Nachtkerze wird Öl gewonnen, das unter anderem in der Kosmetikindustrie zum Einsatz kommt. Es hat eine beruhigende Wirkung, wenn es leicht einmassiert wird und ist somit ein Fitmacher für Haut, Psyche und Immunsystem. Das Öl wird durch ein schonendes Extraktionsverfahren gewonnen und enthält 80 % mehrfach ungesättigte Fettsäure, unteranderem die wertvolle Gamma-Linolensäure. Sie hat positive, ausgleichende Wirkungen auf den Hormonhaushalt und reguliert dadurch beispielsweise die Produktion weiblicher Sexualhormone. Vor allem beim Prämenstruellen Syndrom PMS, bei dem betroffene Frauen die mit der Nahrung zugeführte Linolsäure nur mangelhaft in Gamma-Linolensäure umwandeln können und dadurch in den Tagen vor ihrer Menstruation Probleme im seelischen Bereich bekommen, ist die Nachtkerze von entscheidender Bedeutung. Bei kurmäßiger Einnahme hilft sie aber auch Männern mit psychischen Beschwerden, die auf hormonelles Ungleichgewicht zurückzuführen sind. Beispiele hierfür wären Zeiten beruflicher Überforderung und Hektik, sowie stressbedingte Stimmungsschwankungen. Bei Kindern, die dazu neigen nervös, unkonzentriert und unruhig zu sein, hat sich das Nachtkerzenöl ebenso bewährt.
Gamma-Linolensäure ist aber auch notwendiger Bestandteil der Hautzellen. Nachtkerzenwurzeln und -samen können daher sehr erfolgreich zur Behandlung von Juckreiz, trockener Haut und zur Therapie von Neurodermitis angewendet werden. Zudem hilft Gamma-Linolensäure bei erhöhtem Cholesterinspiegel und Regelstörungen und kann zur Bildung von Eicosanoiden mit antientzündlicher Wirkung beitragen.
Ferner ist ein Extrakt aus der Nachtkerze in der Lage hohe Blutzuckerwerte zu verhindern und dadurch Diabetes Typ II vorzubeugen. Ein Faktor, der als risikomindernd für die Entwicklung von Typ-II-Diabetes angesehen wird, ist die Vermeidung hoher Blutzuckerwerte. Die in der Nachtkerze enthaltenen Polyphenole besitzen eine einzigartige Wirkung auf die Schlüsselenzyme der Zuckerverstoffwechslung alpha-Amylase und alpha-Glucosidase. Der Nachtkerzenextrakt ist somit in der Lage den Abbau von Stärke und Oligosacchariden (Mehrfachzuckern) zu verzögern, sodass es nach den Mahlzeiten zu verringerten Blutzuckerspitzen und einer Verzögerung der Zuckeraufnahme kommt. Somit wird das Gleichgewicht zwischen Insulinausschüttung und Zuckerverwertung positiv beeinflusst.
Weil Nachtkerzengewächse im Herbst und Winter einen äußerst angenehmen Duft verströmen, verleiten sie viele Menschen dazu, sie zu sammeln. In England werden aus den Blüten zudem Seife, Schönheitswässerchen und Potpourris (konservierte Mischung duftender Blüten) hergestellt.

Allgemeine Hinweise

Der Name außergewöhnliche „Nachtkerze“ ist darauf zurückzuführen, dass sich die Blüten der Pflanzen am späten Abend öffnen und erst morgens wieder schließen.