Geschichte und Vorkommen

Die Melisse, eine Staude aus der Familie der Lippenblütler, kommt ursprünglich aus Asien und Südeuropa. Aber weil sie so wunderbare Eigenschaften hat, fand sie schnell auch Verbreitung in Mitteleuropa. Weil man sie für besonders heilsam und daher unentbehrlich hielt, musste sie im Mittelalter sogar per Verordnung in jedem Klostergarten angebaut werden. Denn ob Karl der Große, Hildegard von Bingen oder Paracelsus – sie alle schwärmten von den gesundheitsfördernden Eigenschaften der Pflanze. Zerreibt man Melissenblätter zwischen den Fingern, duftet es leicht zitronig. Daher kennt man die Melisse auch unter dem Namen Zitronenmelisse.

Inhaltsstoffe, Wirkung und Anwendung

Melissenblätter enthalten ätherisches Öl, vor allem das sogenannte Citral, eine Mischung aus Geranial und Neral und das Citronellal. Zudem finden sich Gerbstoffe vom Typ der Rosmarinsäure, Triterpensäuren, Flavonoide und Phenylcarbonsäuren in der Droge. In der Pflanzenheilkunde werden die getrockneten Blätter zur Zubereitung von Tee und alkoholischen Auszügen sowie das ätherische Öl aus der Melisse verwendet. Man kennt die Melisse auch unter dem Namen Herztrost, Mutterkraut oder Nervenkraut – und das sagt schon einiges über einige der Einsatzgebiete als Heilkraut aus.
Denn die Melisse hat beruhigende Wirkung auf den Körper – auf das Zentrale Nervensystem, aber auch auf den Magen-Darm-Trakt. So ist Melissentee ein beliebtes Hausmittel bei nervösen Einschlafbeschwerden, bei stressbedingter innerer Unruhe und allgemeiner Nervosität, aber auch bei Konzentrationsverlust und zur Vorbeugung einem Nachlassen der geistigen Fähigkeiten.
Da Stress häufig auch auf den Magen schlagen kann, bietet sich auch in diesem Fall Melisse als natürliche Unterstützung an. Es kann die Nerven beruhigen helfen – und auch funktionelle Magen-Darm-Beschwerden wie Blähungen, Bauchkrämpfe und Appetitlosigkeit lindern.
In der modernen Volksmedizin setzt man die Melisse bei Kreislaufschwäche, nervösem Herzklopfen, leichter Migräne, Unruhezuständen und Schlaflosigkeit ein. Zudem soll es dazu beitragen, die Konzentrationsfähigkeit und dadurch auch das Gedächtnis zu steigern. Man kann die Melisse als Tee trinken, Einreibungen mit Melissenöl machen aber auch das ätherische Öl im Rahmen der Aromatherapie in Duftlämpchen einsetzen.
Seit einigen Jahre macht Melissenöl als Mittel gegen Lippenherpes von sich Reden. Wissenschaftler entschlüsselten eine positive Doppel-Wirkung: Das ätherische Öl schützt die Hautzellen durch seine Rosmarinsäure vor dem Eindringen der Viren und greift durch seine antiviralen Flavonoide zugleich die Viren an und macht sie unschädlich. Um diese positive Wirkung zu erzielen, sollte man gleich zu Beginn der Herpes-Attacke, also beim ersten Kribbeln an der Lippe, ätherisches Melissenöl auf die betroffene Hautpartie auftupfen.

Besonderheit

Neuere Studien haben gezeigt, dass ein regelmäßiger Konsum von Melissenextrakt die kognitiven Fähigkeiten verbessern kann. Denn die in der Melisse enthaltene Rosmarinsäure wirkt als GABA-Transaminase Inhibitor, d.h. sie unterdrückt das Enzym GABA-Transaminase, welches für den Abbau des Neurotransmitters Gamma-Amino-Buttersäure (GABA) zuständig ist. So steht dem Körper mehr GABA zur Verfügung – und das hat positive Auswirkungen: Die Konzentrationsfähigkeit wird gesteigert und das Lang- und Kurzzeitgedächtnis verbessert. Zudem kann es, so eine Pilotstudie mit jungen Probanden, das Wohlbefinden, das Selbstwertgefühl und die Stressresistenz. Prüfungen bestanden die Studienteilnehmer nach Einnahme eines Melissendrinks besser, ihre Konzentrationsfähigkeit war gesteigert.