Arten, Extrakt, Synonyme

Lindenblüten

Geschichte und Vorkommen

Im germanischen Volksglauben spielte die Linde (Tilia) eine führende Rolle. Zum einen galt sie als Baum der Eintracht und des Friedens. Zum anderen war sie Frigga, der Göttin der Ehe und des häuslichen Herdes, geweiht. Im Mittelalter stellten Dorflinden das Zentrum des gesellschaftlichen Lebens dar. Sie dienten als Treffpunkt der Tanzenden und Liebenden, aber auch als Ort der Rechtsprechung. Damals kamen Blüten und Blätter des Baumes auch zu ihren ersten medizinischen Einsätzen bei fiebrigen Erkältungskrankheiten. Gegen Durchfälle hatte man mit Lindenholzkohle Erfolg. Linden werden in zwei Arten unterteilt: in Sommerlinde (T. platyphyllos), die auch Früh- oder Graslinde heißt, und in Winterlinde (T. cordata). Letztere ist auch als Steinlinde bekannt. Beide Arten kommen in fast ganz Europa vor, wobei das Verbreitungsgebiet der Winterlinde weiter nach Norden und Osten reicht als das der Sommerlinde. Diese Lindenart bevorzugt warme Gegenden und ist über ganz Europa bis nach Kleinasien verbreitet. In Skandinavien fehlt sie völlig, ebenso auf Sizilien und Sardinien.

Inhaltsstoffe, Wirkung und Anwendung

Wichtige Inhaltsstoffe in den Lindenblüten sind sekundäre Pflanzenstoffe (Flavonoide) und ätherische Öle, die für ihren angenehmen Duft verantwortlich sind. Außerdem enthalten sind Gerb- und Schleimstoffe sowie Zucker. Lindenblütentee wird traditionell als schweißtreibendes und fiebersenkendes Mittel bei Erkältungskrankheiten eingesetzt. Außerdem soll er zu hohen Blutdruck senken, Kopfschmerzen und Verspannungen lösen sowie bei Stress und Schlaflosigkeit gut tun. Die Flavonoide wirken antibiotisch bei Entzündungen und treiben die Wundheilung voran.

Allgemeine Hinweise

Die Winterlinde wird nicht ganz so groß wie die Sommerlinde, die eine stattliche Höhe von bis zu 35 m erreicht. Bei der Sommerlinde fallen die beidseits grünen, auf der Unterseite behaarten Blätter auf. Die Blätter der Winterlinde sind auf der Unterseite blaugrün und unbehaart. Beide Arten tragen im Juni gelblich weiße, wunderbar duftende Blüten, die Winterlinde jedoch 1–2 Wochen später als ihre sommerliche Schwester. Auch die Blütenstände unterscheiden sich: Bei der Sommerlinde sind sie 2- bis 5-blütig mit hängendem, gelblich grünem Hochblatt, bei der Winterlinde 5- bis 11-blütig. Die kleinen Nussfrüchte der Sommerlinde sind stark verholzt, die der Winterlinde lassen sich zwischen den Fingern zerdrücken. Für Lindenblütentee kommen hauptsächlich die getrockneten Blüten der Winterlinde zum Einsatz. 1–2 Teelöffel reichen für eine Tasse, die bei den ersten Anzeichen eines Schnupfens gute Dienste tut. Zusammen mit einem warmen Fußbad kann so durchaus das Ausbrechen einer Erkältung verhindert werden.