Arten, Extrakt, Synonyme

Leinsamen, Leinöl, Leinsaat

Geschichte und Vorkommen

Seit mehr als 5000 Jahren bereichern Produkte aus Lein, der Samen der Flachspflanze, den menschlichen Speiseplan. Flachs gehört zu den ältesten Kulturpflanzen der Welt. Der lateinische Name des Leinsamens, „Linum usitatissimun“ bedeutet frei übersetzt so viel wie „Allernützlichste“ und sagt viel über seinen vielfältigen Nutzen aus. Heutzutage werden überwiegend zwei auf die jeweilige Nutzung abgestimmte und optimierte Züchtungen angebaut: Eine zum Verzehr und der Herstellung von Leinöl und dann so genannter Faserlein. Letzterer wird, wie der Name schon sagt, für die Herstellung von Textilien genutzt.

Inhaltsstoffe, Wirkung und Anwendung

Leinsamen sind kleine Nährstoffwunder. Unter den Pflanzen weisen sie den höchsten Gehalt an mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren auf, darunter der essentiellen alpha-Linolensäure (ALA). Omega-3-Fettsäuren wirken positiv auf Herz- und Blutgefäße, aber auch auf Nerven- und Gehirnzellen. ALA ist bekannt für ihre entzündungs-hemmende Wirkung. So zeigte eine Untersuchung aus dem Jahr 2008, dass durch die Einnahme von Leinsamenöl Magenentzündungen effektiv behandelt werden können. Um das Öl der Samen verwerten zu können, sollte man entweder zerstoßene Leinsamen verzehren oder, einfacher, Leinöl in seinen Speiseplan mit einbauen. Eine weitere Stärke der unscheinbaren kleinen Körner ist ihr hoher Gehalt an wasserlöslichen Ballaststoffen. Leinsamen gilt als natürliches Mittel gegen Verstopfung und kann eine gesunde Verdauung fördern. Vor allem in der Schale finden sich Schleimstoffe, die sich unter anderem aus den Zuckern Xylose, Galactose und Galacturonsäure zusammensetzen und die im Darm als natürliches Quellmittel dienen. Sie binden im Darmtrakt Wasser und können auf diese Weise ihr Volumen verdreifachen. Das regt die Verdauung an. Das fette Öl des Leins unterstützt den Effekt, indem es als natürliches Schmiermittel dient. Zudem legen sich die Schleimstoffe als schützende Schicht auf die Darmwände. In einer Anwendungsstudie konnte gezeigt werden, dass Menschen mit Reizungen und Entzündungen des Darms von den wasserlöslichen Quell- und Schleimstoffen des Leins profitieren. Die Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten empfiehlt in ihrer Leitlinie zur Behandlung des Reizdarmsyndroms den Einsatz wasserlöslicher Ballaststoffe.

Besonderheiten

Leinsamen sind auch eine gute Quelle für Lignane. Lignane sind sekundäre Pflanzenstoffe, die zur Gruppe der Polyphenole gehören. Als leichtes Phytoöstrogen wirken sie bei Frauen und Männern auf die Enzyme ein, die am Hormonstoffwechsel beteiligt sind. Damit können sie einen ausbalancierenden Effekt auf den Hormonhaushalt entfalten und sowohl Hormonmangel- als auch Überschusserscheinungen ausgleichen. Davon profitieren u.a. bei Frauen, die unter Wechseljahrsbeschwerden leiden. Es gibt Untersuchungen, die Lignanen einen schützenden Effekt gegen Brust- und Prostatakrebs und Prostatavergrößerungen bescheinigen. Als Antioxidantien wirken Lignane zellschützend.

Allgemeine Hinweise

Ganze Leinsamen wirken weniger intensiv auf die Verdauung als geschrotete. Sie passieren oft in unveränderter Form den Magen-Darm-Trakt. Doch sollte man beachten, dass geschroteter oder gemahlener Leinsamen wegen der großen Mengen an freigesetzten Fettsäuren schnell mit Sauerstoff reagieren und ranzig werden kann. Also am besten direkt vor dem Verzehr zerkleinern. Und nicht vergessen, zum Leinsamen ausreichend zu trinken, damit für den aufquellenden Effekt im Darmtrakt auch genügend Flüssigkeit zur Verfügung steht. Wer nur die positiven Effekte des Leinöls für sich nutzen möchte und auf die verdauungsfördernden Effekte des ganzen Samen verzichten kann, sollte täglich 1 bis 2 TL Leinöl zu sich nehmen – z. B. in der Salatsauce, in Quark eingerührt oder pur. Das Öl dunkel und nicht zu lange lagern, da es ebenfalls schnell ranzig werden kann.