Beschreibung, Geschichte und Vorkommen

L-Carnitin gehört zur Gruppe der vitaminähnlichen Substanzen, der so genannten Vitaminoide. Früher hatte es auch die Namen Vitamin T und Vitamin BT; andere Bezeichnungen sind Torutilin und Termitin. 1905 wurde L-Carnitin als wichtiger Bestandteil der Muskulatur entdeckt. Sein Name leitet sich von dem lateinischen Wort „carnis“ (Fleisch) ab. Die Aufgabe dieses Stoffes im Organismus entdeckte man jedoch erst 1955: Wir brauchen L-Carnitin für den Transport von Fettsäuren, damit wir aus ihnen Energie gewinnen können. Etwa 20–25 Gramm der Transportsubstanz enthält der menschliche Körper, 98 Prozent davon befinden sich in der Skelett- und Herzmuskulatur, der Rest in Leber und Nieren. Da auch Säugetiere L-Carnitin in ihrem Körper haben, ist es Bestandteil unserer täglichen Nahrung – wenn wir nicht gänzlich auf tierische Produkte verzichten wie die Veganer. Es ist vor allem in Fleisch- und Milchprodukten enthalten. Besonders viel davon bieten Schaf- und Lammfleisch, gefolgt von Rind und Schwein. Geflügelfleisch ist eine weniger gute Quelle. Pflanzliche Lebensmittel sind carnitinarm oder -frei. Die synthetische Herstellung von L-Carnitin begann in den späten 70er Jahren. Seither wird es als Nahrungsergänzung für Mensch und Tier eingesetzt. Das weiße Kristallpulver hat einen süßlichen Geschmack und zieht Wasser an.

Wirkung und Anwendung

L-Carnitin funktioniert in unserem Körper wie ein Taxi. Seine Fahrgäste sind langkettige Fettsäuren, Fahrziel: die Mitochondrien, wie die Kraftwerke unserer Zellen heißen. Am Ziel angekommen, endet der Taxivergleich, denn die Fettsäuren werden zur Energiegewinnung verbrannt. Dass L-Carnitin aus diesem Grund von der Industrie auch als Wunder vollbringender „Fatburner“ in Sachen Gewichtsreduktion angepriesen wird, ist nachvollziehbar. Wissenschaftlich beweisen ließen sich diese Versprechungen bisher jedoch nicht. Kontroverse Meinungen gibt es auch, ob L-Carnitin Leistungen im Ausdauersport wirklich so steigert, wie die Ergänzungsmittelhersteller es anpreisen. Immerhin stellt der Körper rund 16 Milligramm pro Tag selbst her. Und es macht keinen Unterschied, ob es sich um einen Vegetarier handelt, der nur etwa 2 Milligramm der Substanz täglich mit dem Essen zu sich nimmt, oder einen „Normalköstler“. In dessen Nahrung befinden sich Tag für Tag etwa 32 Milligramm. So tritt im Allgemeinen kein Mangel an L-Carnitin auf. Dennoch kann sich das Vitaminoid positiv auf Herzerkrankungen auswirken, die Fruchtbarkeit bei Männern verbessern und die Immunabwehr stärken.

Allgemeine Hinweise

Auch Schwangere und vor allem Stillende können von zusätzlichem L-Carnitin profitieren. Da das Baby die Substanz noch nicht selbst herstellen kann und komplett über die Muttermilch damit versorgt wird, sinkt der L-Carnitinspiegel der Mutter während der Stillzeit. Bei Säuglingsnahrung auf Sojabasis ist der Zusatz von L-Carnitin sogar seit Jahren gesetzlich vorgeschrieben.