Geschichte und Vorkommen

Jeder kennt Kurkuma, vor allem wegen der gelben, sonnigen Farbe, mit der das Gewürz jeder Speise eine besondere Note verleiht. Die Indische Gelbwurz (wissenschaftlicher Name: Curcuma Longa) ist für sich eine wichtige Nutzpflanze und verwandt mit dem Ingwer, aber interessanterweise auch mit der Banane. Gelbwurz ist in tropischen, heißen, regenreichen Ländern anzutreffen – denn die Pflanze benötigt warme Temperaturen und reichlich Wasser, um zu gedeihen. Die Hauptanbaugebiete liegen heute in Indien, aber auch in Bangladesh, Sri Lanka, Jamaika, Peru, Burma, Haiti, Taiwan und China wird Curcuma gezüchtet. Bereits der venezianische Händler und Entdecker Marco Polo rühmte im 13. Jahrhundert die Gelbwurz als Ersatz für Safran. In Asien schätzt man Kurkuma seit Jahrtausenden als Heilpflanze, für die Inder gehört sie zu den heiligen Gewürzen. In der ayurvedischen Heillehre wird sie zur Behandlung von Hautkrankheiten und Wunden, bei Verdauungsproblemen, gegen Leberleiden, bei Gelbsucht, zur Unterstützung der Darmflora und allgemeinen Stärkung des Stoffwechsels genutzt. Und auch in der modernen westlichen Pflanzenmedizin wird die Indische Gelbwurz als Heilpflanze eingesetzt.

Inhaltsstoffe, Wirkung und Anwendung

Die gesundheitlich wertvollen Inhaltsstoffe sind vor allem Curcuminoide, das sind Scharf- bzw. Bitterstoffe. Diese setzen sich aus Curcumin und anderen nichtflüchtigen gelben Pigmenten zusammen. Außerdem sind die ätherischen Öle mit einem hohem Anteil an Sesquiterpenen (besonders Turmeron und Zingiberen) sowie Polysaccharide medizinisch von Interesse.
Bei Erkrankungen von Galle und Leber und bei dyspeptischen Beschwerden ist Kurkuma ein erprobtes Mittel der Wahl. Zugelassene pflanzliche Arzneimittel mit Kurkuma-Spezialextrakt aus der Indischen Gelbwurz wirken gleich zweifach auf die Fettverdauung: Die Galleproduktion wird gesteigert (Cholerese) und die Gallenabgabe wird aktiv gefördert (Cholekinese). Außerdem wirken die ätherischen Öle des Extrakts beruhigend auf den Darm.
Kurkuma hat neben seiner verdauungsregulierenden Eigenschaften auch positive Auswirkungen auf den Leberstoffwechsel. Neben einer Senkung des schädlichen LDL-Cholesterins schützt es die Leber vor schädlichen Freien Radikalen, die durch Krankheit, Alkohol, Zigarettenrauch oder Umweltgifte entstehen und mindert Entzündungsprozesse. Die entzündungshemmende Wirkung macht Kurkuma auch interessant, um es zur Behandlung von Rheuma und rheumatoider Arthritis einzusetzen,
In Indien, wo man über die Ernährung traditionell täglich Curcumin zu sich nimmt, tritt die Alzheimer-Erkrankung seltener auf als in der westlichen Welt. Deshalb untersuchen Wissenschaftler weltweit die Frage, ob man Kurkuma als Vorbeugemaßnahme sowie zur Behandlung einer beginnenden Alzheimer-Erkrankung einsetzen kann. Studienergebnisse aus fünf Tierstudien und zwei in-vivo-Studien mit Alzheimer-Patienten legen nahe, dass Inhaltsstoffe im Kurkuma die Entzündungsprozesse und die Bildung der gefährlichen Ablagerung von Amyloid-Plaques, die zu Alzheimer führen, hemmen können. Auch nach neuesten Erkenntnissen von Wissenschaftlern der University of California kann Kurkuma gegen Alzheimer-typische Plaques im Gehirn wirken.
Der Farbstoff Curcumin festigt die Zellmembranen und erhöht damit ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheitserregern. Das haben amerikanische Forscher herausgefunden. Die Curcuminmoleküle bauen sich demnach in die Zellmembranen ein und stabilisieren diese, berichten die Wissenschaftler um Ayyalusamy Ramamoorthy von der Universität Michigan in Ann Arbor. Mit Hilfe der so genannten Kernresonanzspektroskopie (NMR) können die Forscher einzelne Atome und deren Wechselwirkungen mit benachbarten Atomen beobachten. Dabei bestätigte sich die Vermutung der Wissenschaftler: Das Curcumin beeinflusst die physikalischen Eigenschaften der Zellmembran, indem es sich in die Doppellipidschichten hineinschiebt. Im Gegensatz zu gesunden Zellen wirkt Curcumin auf kranke Zellen jedoch nicht stabilisierend, sondern schädigt sie, indem es die Membranen durchlässiger macht.

Besonderheit

Genau wie Ingwer bildet die Gelbwurz so genannte Rhizome, auch Wurzelstock oder Erdspross genannt, aus. Ein Rhizom ist ein flach unterirdisch wachsender Teil der Pflanze, der jedoch nicht zur Wurzel gehört. Vielmehr dient das Rhizom als Wasser- und Nährstoffspeicher. Bei der Ernte kann so ein Kurkuma-Rhizom 1,5 bis 3 kg wiegen. Eben dieses Rhizom der Curcuma Longa ist auch pharmakologisch interessant.