Geschichte und Vorkommen

Wer kennt ihn nicht, den Duft von heißem Kamillentee?! Diese Heilpflanze, die von Mai bis Oktober auch so manche Vase ziert, zählt zu den wichtigsten und bekanntesten entzündungshemmenden Heilmitteln seit der jüngeren Steinzeit. Ursprünglich stammt sie, so vermutet man, aus Süd- und Osteuropa sowie Vorderasien. Mittlerweile ist sie weitverbreitet und auch bei uns in Europa schon lange heimisch. Ihr Name gibt uns Hinweise auf ihr ursprüngliches und wichtigstes Anwendungsgebiet, man kann ihn nämlich in etwa mit ‚Kraut der Mutterliebe‘ übersetzten. Somit fand sie große Bedeutung bei Krankheiten des Wochenbetts. Da sie entzündungshemmend, schmerzstillend und desinfizierend wirkt, hilft sie bei Beschwerden während der Schwangerschaft, bei der Geburt und danach im Wochenbett. Bei den Kleinen lindert sie Bauchschmerzen und Krämpfe, die Schmerzen beim Zahnen und heilt wunde Hautstellen. Die echte Kamille ist eine einjährige Pflanze und ihre Wuchshöhe variiert je nach Bodentyp zwischen 20 und 60 cm. Sie bildet gelbe Blütenköpfchen aus, die von weißen Hüllblättern die sich ein wenig gen Boden neigen umgeben sind. Achtung, es gibt auch eine falsche Kamille. Diese ist jedoch leicht zu erkennen, da sie nur ganz schwach bis gar nicht duftet. Zudem ist das Blütenkörbchen der echten Kamille von innen hohl. Übrigens wird die echte Kamille auch „Kummerblume“ genannt. Gemeint ist damit zweifellos der Kummer, den die Erkrankten durch ihre Heilkräfte wieder los wurden.

Inhaltsstoffe, Wirkung und Anwendung

Um einen möglichst hohen therapeutischen Nutzen zu erzielen, sollte man beim Pflücken auf den Erntezeitpunkt achten. Optimal ist das Sammeln der Kamille drei bis fünf Tage nach dem Aufblühen. Zu diesem Zeitpunkt ist ihre Qualität am höchsten, da die Wirkstoffe frisch ausgebildet sind. Getrocknet werden sie in dünnen Lagen an einem schattigen und luftigen Ort. Da die Blüten leicht Feuchtigkeit ziehen am besten in einem Schraubglas aufbewahren. Grundsätzlich sollte auf einen biologischen Anbau geachtet werden. Somit empfiehlt es sich, Kamillenblütentee und Kamillenöl über Naturkostläden zu beziehen. Sowohl in den Blüten als auch in den Blättern befinden sich die heilenden Inhaltsstoffe der Kamille. Eine entscheidende Rolle spielen hierbei die ätherischen Öle wie das Sesquiterpen und Bisabolol, das Azulen, verschiedene Flavonoide sowie Cumarine, Glycin und Bitterstoffe. Zur Behandlung von Haut-und Schleimhautentzündungen (insbesondere Magen und Darm), bei akuten und chronischen Magen-und Darmstörungen, Gebärmutterkrämpfen, Gastritis, Darmkoliken sowie Magen-und Zwölffingerdarmgeschwüren wird sie als Tee verwendet. Kamillentee fördert auch die Bildung von Muttermilch und kann somit auch von Stillenden getrunken werden. Für den Tee 2 Teelöffel der Blüten mit heißem Wasser übergossen, zugedeckt ziehen lassen dann 2-3 Tassen pro Tag trinken. Bei Entzündungen der Mundschleimhäute, Zahnschmerzen und Fisteln kann mit dem Tee oder Kamillen-Fluidextrakt aus der Apotheke gespült werden. Entzündliche Hauterkrankungen, juckende Ekzeme, Hautflechten und Verletzungen und Schürfwunden können ebenfalls mit Kamille behandelt werden. Hier kommen Umschläge, Bäder und Kompressen zum Einsatz. Sind wir gereizt, plagen uns Angstzustände und Schlaflosigkeit kann sie äußerlich als ätherisches Öl angewendet für Linderung sorgen. Hierfür etwa 10 Tropfen in einen Topf mit heißem Wasser geben und diesen im Schlafzimmer aufstellen

Allgemeine Hinweise

Wichtig: bei der Zubereitung des Tees darauf achten, dass kein kochendes Wasser verwendet wird. In diesem Fall verflüchtigen sich die ätherischen Öle.