Geschichte und Vorkommen

Viele Geschichten ranken sich um das Johanniskraut (Hypericum perforatum), das bereits in der Antike zu medizinischen Zwecken verwendet wurde. Plinius der Ältere setzte es bei Verbrennungen ein. Seinen Namen hat das Kraut dem Märtyrer Johannes zu verdanken, der für seinen Glauben auf Befehl Salomes geköpft wurde. Der Grund: Beim Drücken auf die Blüten tritt ein roter Saft aus, der das Blut von Johannes symbolisiert. Johannisblut wird die Pflanze deshalb auch genannt. Der Legende nach soll das Kraut unter dem Kreuz Christi gestanden und sein Blut aufgefangen haben. Ein weiterer Name der Pflanze ist Hexenkraut, weil sie im Mittelalter zur Teufelsaustreibung benutzt wurde. Dass Johanniskraut auch bei Trübsinn und Depression helfen kann, wusste man schon früher. Im ältesten erhaltenem Buch der Klostermedizin, dem „Lorscher Arzneibuch“ aus der Zeit um 790–795 n. Chr. ist darüber nachzulesen. Als natürliches Antidepressivum wird es noch genutzt. Seine positiven Wirkungen konnten inzwischen wissenschaftlich nachgewiesen werden. Johanniskraut ist von Europa und Westasien bis nach Nordafrika verbreitet. Es wächst wild an Wegen und Waldrändern, Böschungen und Heidekrautheiden und gedeiht auf mäßig trockenem, meist kalkfreiem, sandig-steinigem Boden oder reinen Lehmböden.

Inhaltsstoffe, Wirkung und Anwendung

Der wichtigste Inhaltsstoff des Johanniskrauts ist Hyperforin, der sonst in der Pflanzenwelt nirgendwo vorkommt. Dieser bei leichten und mittelschweren Depressionen eingesetzte Stoff kann dazu beitragen, den Serotoninspiegel auszugleichen und damit das seelische Gleichgewicht wiederherzustellen. In den Blüten und Knospen der Pflanze ist der Gehalt am höchsten. Ätherische Öle mit insgesamt 29 Bestandteilen kommen ebenfalls im Johanniskraut vor. Auch für äußere Anwendungen eignet sich das Johannis- oder Rotöl der Pflanze. Es wird traditionell zur Behandlung von Wunden, leichten Verbrennungen und Hautentzündungen verwendet. Heute werden Johanniskrautextrakte auch für Hautcremes gegen Neurodermitis genutzt. Innerlich genommen soll Johanniskraut bei Verdauungsbeschwerden helfen. Da Johanniskraut empfindlich gegen Sonneneinstrahlung macht, sollte es vor Sonnenbädern nicht eingenommen oder eingerieben werden!

Allgemeine Hinweise

Die Stauden des Johanniskrauts werden 10 cm bis 30 cm hoch, seine Wurzeln bis 50 cm tief. An den zweikantigen markigen Stängeln sitzen längliche, kahle Blätter mit schwarzen Drüsen am Rand. Von Ende Juni bis September blüht die Pflanze leuchtend-goldgelb. Zu dieser Zeit wird sie auch gesammelt. Die Blüten sind in Trugdolden angeordnet. Sie bestehen aus fünf spitzen Kelch- und fünf bis 12 mm langen Kronblättern. Ihre Bestäubung übernehmen meist Insekten, es kommt aber auch zu Selbstbestäubungen. Die Frucht des Johanniskrauts ist eine 1 cm lange Kapsel. Wenn sie reif ist, fallen aus ihr zylindrische, dunkelbraune Samen heraus.