Beschreibung, Geschichte und Vorkommen

Ingwer gehört zu den gesündesten Lebensmitteln der Welt. In Indien, Südost-Asien, Westafrika und in der Karibik nutzt man die heilsame Kraft des Ingwers seit mehr als 3000 Jahren. In Europa beschrieb der griechische Arzt Dioskurides bereits im 1. Jahrhundert nach Christus die verdauungsfördernde, magenberuhigende Wirkung des Ingwers. Geschätzt wird vor allem die so genannte Wurzel – wobei es sich botanisch gesehen nicht um eine Wurzel, sondern um ein Rhizom, einen unter der Erde wachsenden Spross, handelt.

Inhaltsstoffe, Wirkung und Anwendung

Untersuchungen – vor allem in Europa und Japan – haben die heilende Wirkung von Ingwer (Zingiber officinale) und seinen Bestandteilen nachgewiesen. Der besondere Anteil an Scharfstoffen, darunter Gingerole, Shoagole und ätherisches Öl, trägt zum Geschmack, Geruch und zur Wirkung der Pflanze bei.
Studien zeigen, dass vor allem die Gingerole und Shogaole entzündungshemmende Eigenschaften entfalten, die die Produktion körpereigener Entzündungsfaktoren, so genannter Zytokine senken. In ihrer chemischen Struktur ähneln Gingerole der Acetylsalicylsäure. Ingwerextrakte wurden in Studien erfolgreich gegen Arhthose- und Rheumaschmerzen eingesetzt.
In der modernen Naturheilkunde findet die Ingwer-Wurzel in erster Linie als Magenmittel Erwähnung und wird zur Behandlung von Magenbeschwerden, aber auch Appetitlosigkeit eingesetzt.
Daneben kann durch seinen Genuss die Blasentätigkeit gefördert, Gasansammlungen behoben, die Gallensekretion sowie der Gallenabfluss normalisiert werden. Dass die Behebung all dieser Leiden schließlich Stoffwechselstörungen beseitigt, ist nur eine natürliche Folge.
Gingerole haben zudem positive Effekte auf den Blutzuckerspiegel, so das Ergebnis einer Studie der Universität Sydney.
Die positive Wirkung des Ingwers auf den Magen wird auch von Reisenden weltweit genutzt: Übelkeit als Folge von See- und Reisekrankheit wird wirksam gedämpft. Die ätherischen Öle und Scharfstoffe des Ingwers wirken dabei ähnlich wie synthetische Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen: Sie sorgen rasch für Ruhe im aufgewühlten Magen und verbessern die Magenbewegung – doch ohne einen müde machenden Nebeneffekt.
Aufgrund seiner wärmenden Eigenschaften tut Ingwer-Tee bei Erkältungen gut.
Selbst äußerlich kann Ingwer wohltuende Wirkungen entfalten: Eine Massage mit Ingwer-Öl kann Arthrosebeschwerden mindern.
Auch Sportler können von einem regelmäßigen Ingwergenuss profitieren: Nach körperlichen Anstrengungen bieten die entzündungshemmenden Bestandteile des Ingwers den Vorteil, das Auftreten von Muskelschmerzen signifikant zu vermindern, so eine von der amerikanischen Schmerzgesellschaft 2010 veröffentlichten Übersichtsstudie.
Im Handel sind neben frischer Ingwerwurzel auch Trockenextrakte und Ingwertropfen erhältlich (letztere z.T. nur in Apotheken).

Allgemeine Hinweise

Ingwerwurzeln gibt es zwar in fast jedem Supermarkt, doch sollte man beim Kauf auf Frische achten. Die Wurzel sollte fest sein, die Schale noch nicht schrumpelig. Achtung: Ingwer kann grünlich-grauen Schimmel bilden, der sich z. B. an ausgetrockneten Knollenenden oder in einer Knollengabelung befinden kann. Solche Wurzeln nicht verzehren.
Einige der wertvollen Inhaltsstoffe des Ingwers sind nicht wasserlöslich. Wer also vom ganzen heilsamen Profil des Rhizoms profitieren möchte, sollte frische Ingwerscheiben nicht einfach mit kochendendem Wasser zu einem Getränk aufbrühen, sondern immer auch einen Schuss Milch oder etwas Öl zugeben.
Vorsicht, wenn Sie gerinnungshemmende Mittel wie Marcumar einnehmen müssen: Ein regelmäßiger, hochdosierter Ingwergenuss kann die gerinnungshemmende Wirkung des Mittels fördern.