Arten, Extrakt, Synonyme

Blaubeere

Geschichte und Vorkommen

Wegen ihrer Farbe heißt die Heidelbeere (Vaccinium myrtillus) auch Blau- oder Schwarzbeere – in Norddeutschland wird sie auch Bickbeere genannt. Im Volksglauben sprach man ihr die Fähigkeit zu, verborgene Schätze in den Waldwohnungen der Zwerge zu schützen. Die alten Römer verwendeten ihren Saft, um die Kleidung ihrer Sklaven blau zu färben. Hildegard von Bingen beschrieb im Mittelalter als erste die heilenden Wirkungen der Wildfrucht. Heidelbeeren wachsen in den Wäldern Mittel- und Nordeuropas, Nordasiens und Nordamerikas. Die zu den Heidekrautsträuchern gehörenden Pflanzen fühlen sich auf saurem, torfigem Boden wohl und sind sowohl in Ebenen als auch in Gebirgshöhen bis zu 2800 m zu finden.

Inhaltsstoffe, Wirkung und Anwendung

Die blauen Beeren sind reich an Gerbstoffen, Pektin, Zitronen- und Apfelsäure, sekundären Pflanzenstoffen (Polyphenolen) sowie den Vitaminen B, C und Provitamin A. Zudem enthalten sie Mangan, ein Spurenelement, das unter anderem für die Bildung von Bindegewebe notwendig ist. Heidelbeeren sind schon seit ewigen Zeiten als Naturheilmittel gegen Durchfall bekannt (am besten getrocknet). Diese Wirkung kommt durch das Pektin und die Gerbstoffe zustande. Letztere helfen übrigens auch, Wunden zusammenzuziehen. Provitamin A, der Rohstoff für das wertvolle Augenvitamin A, beugt nicht nur Nachtblindheit vor, sondern auch Schäden durch zu viel UV-Strahlung, denn es ist eine effektive Zellschutzsubstanz. Der größte Schatz der Wildfrucht ist jedoch der tintenblaue Farbstoff (Anthocyan), der die Wände der kleinen Blutgefäße, vor allem die der Augen, zu stabilisieren vermag. Er gehört zu den sekundären Pflanzenstoffen, bioaktiven Substanzen, die schädliche Moleküle (freie Radikale) im Körper abfangen, die zum Beispiel Krebs auslösen und Alterungsprozesse der Körperzellen beschleunigen können. Sekundäre Pflanzenstoffe wappnen die Körperzellen vor den Attacken freier Radikale. Oxidationsschutz heißt diese Fähigkeit. Er ist bei Heidelbeeren mehr als doppelt so hoch wie beim legendären Knoblauch. Und vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen und häufig auftretenden Blasenentzündungen schützen die Pflanzenstoffe außerdem.

Allgemeine Hinweise

Sträucher mit wilden Waldheidelbeeren können bis zu 50 cm hoch werden. Die Beeren schmecken süßsäuerlich und können von Juli bis September gesammelt werden. Heutzutage sind auch Kulturheidelbeeren erhältlich, die höher wachsen und deren Früchte größer sind. Ihr Fleisch ist jedoch heller, schmeckt weniger aromatisch und ihr Anthocyan-Gehalt ist sehr viel niedriger als bei den Wildfrüchten. Kulturheidelbeeren sind sehr empfindlich. Sie können beim Transport leicht zerdrückt werden und schimmeln schnell. Im Kühlen halten sie sich einige Tage, können aber auch eingefroren werden. Die Beeren schmecken roh, in Süßspeisen und Kuchen und eignen sich für Obstwein.