Arten, Extrakt, Synonyme

Bier- und Nährhefe

Geschichte und Vorkommen

Bereits die Sumerer und Ägypter haben gewusst, dass man durch Zugabe von Hefe Gärungsprozesse in der Nahrung auslösen kann und sie schon vor Jahrtausenden zur Herstellung von Bier eingesetzt. Wobei die Erfindung des ältesten alkoholischen Getränks der Geschichte eher zufällig geschah. Der Legende nach soll ein Sumerer im 3. Jahrtausend vor Christi ein Stück Brot im Regen vergessen haben, was dann zu gären begann (das war nur deshalb möglich, weil bei der Herstellung von Brot auch Hefen zum Einsatz kamen). Eine spätere Kostprobe des “flüssigen Brotes” führte zu gezielten Experimenten mit gegorenem Gerstensaft – die Geburtsstunde des Bieres war gekommen! Da Hefe Kohlenhydrate spaltet, ist sie für die Alkoholgewinnung und für die Herstellung von Bier, Wein oder Sekt unersetzlich. Denn mit Hilfe von Hefe entsteht aus Zucker (Glukose) Alkohol. Obwohl die Bierhefe (Saccharomyces cerevisiae Meyen) ihren Namen vom Bier hat, ist sie heute aus den meisten Gerstensäften herausgefiltert. Im Hefeweizen ist sie noch vorhanden. Weil die gleiche Hefe auch beim Backen zum Einsatz kommt, heißt sie ebenfalls Back- oder Kulturhefe. Waren die Hefen zu Anfang eher zufällig in die Lebensmittel gelangt, so wurden sie schon bald darauf gezielt eingesetzt, um die Gärung besser kontrollieren zu können. Mit der Zeit wurden dann spezielle Hefestämme oder Kulturhefen gezüchtet, die ganz bestimmte Eigenschaften hatten und auf den jeweiligen Verwendungszweck abgestimmt waren. Der Nährhefe etwa, einer Trockenhefe in Pulver- oder Flockenform, wurde das Wasser entzogen. Mit ihrem würzigen Geschmack kann sie ohne weiteres Salz ersetzen. So ist Nährhefe wichtigster Bestandteil vieler vegetarischer Pasteten aus dem Reformhaus und sie verbessert den Geschmack von Suppen, Salaten und Gemüse.

Inhaltsstoffe, Wirkung und Anwendung

Sowohl Bier- als auch Nährhefe sind reich an Vitaminen der B-Gruppe; auch Mineralstoffe wie Magnesium sind in ihnen zu finden. Des Weiteren enthalten beide Hefen wertvolles Eiweiß mit einem hohen Anteil an den essenziellen Aminosäuren Lysin und Tryptophan. Essenziell bedeutet in diesem Zusammenhang, dass der Körper diese Aminosäuren dringend benötigt, sie aber nicht selbst herstellen kann. So ist Lysin wichtig für Wachstum und Fortpflanzung, stärkt das Immunsystem und steigert die geistige Leistungsfähigkeit. Tryptophan dient zur Erzeugung von Serotonin, einem Botenstoff, der den Appetit mindert und Depressionen vorbeugt. Hefe hat verschiedene Wirkungen auf unseren Körper. So hilft sie zum Beispiel gegen Durchfall, indem ihre lebenden Mikroorganismen die krankmachenden Organismen im Darm verdrängen. Um eine ausreichende Versorgung mit ihren B-Vitaminen und Proteinen zu gewährleisten, empfehlen Fachleute die Einnahme medizinischer Hefen.

Allgemeine Hinweise

Hefen sind einzellige Pilze, die in der Natur überall vorkommen. Sie sind sowohl in Luft und Wasser als auch im Boden oder auf Pflanzen zu finden. Bestimmte Hefepilze können auch Erkrankungen auslösen, z.B. Scheidenpilzerkrankungen. Aber keine Angst: Bierhefe und Nährhefe gehören nicht dazu!