Geschichte und Vorkommen

Hafer gehört zur Familie der Süßgräser. Verbreitung in Europa fand er bereits in der Bronzezeit. Das Getreide gilt als eine so genannte „sekundäre Kulturpflanze“, da es wahrscheinlich als Beimischung, also ungewollt und zufällig, mit Gerste und Weizen aus Mesopotamien in unsere Breiten eingeführt wurde. Vom Hafer gibt es über 20 Arten. Vornehmlich als Nahrungsmittel für Menschen, z. B. in Form von Haferflocken, verwendet, wird der „Saat-Hafer“ (Avena sativa L.), auch „Echter Hafer“ genannt. Er wird ausschließlich in Kultur angebaut.
Als Nahrungsmittel mit hochwertigen Inhaltsstoffen hat Hafer eine lange Geschichte. Bereits die Germanen schätzten ihn wegen seines hohen Nährwertes. Die Römer bezeichneten deshalb die Germanen verächtlich als „Haferfresser“. Er galt über Jahrhunderte als ein wichtiger Bestandteil einer einfachen, preiswerten Ernährung. Heute ist wissenschaftlich belegt, dass Hafer ein rundum gesundes Nahrungsmittel mit vielen positiven Eigenschaften ist. Hafer gehört zu den hochwertigsten Getreidearten, die in Mitteleuropa angebaut werden.

Inhaltsstoffe, Wirkung und Anwendung

Der Hafer ist ein gesundes Allroundtalent mit einer beachtlichen Zusammensetzung.
Mit ihrer Kombination aus Kohlenhydraten, Eiweiß, B-Vitaminen, Vitamin E und Mineralstoffen wie Magnesium gelten Haferflocken und Haferkleie als ideale Energiespender und perfekte Sportlernahrung.
Biotin und B-Vitamine im Hafer sorgen für starke Nerven, gute Stimmung – und feste Nägel.
40 Gramm Hafer liefern überdies 2,4 mg Eisen – das macht das Getreide zum perfekten Eisenlieferanten, nicht nur für Vegetarier und Veganer. TIPP: Kombinieren Sie ein Hafermüsli mit Vitamin C-reichen Früchten, das Vitamin optimiert die Eisenverwertung.
Eine Besonderheit, von der unter anderem unser Immunsystem profitiert, sind die Beta-Glucane. Hafer ist auch reich an diesen Polysacchariden, also langkettigen Zuckerketten. Sie zeichnen sich durch außergewöhnliche immunmodulatorische Eigenschaften aus. Zudem können Beta-Glucane natürliche Killerzellen aktivieren. So unterstützen sie das Immunsystem bei der Abwehr von Krankheitserregern. Zudem werden Beta-Glucanen – das wurde durch mehrere Studien belegt – antimikrobielle, antiarteriosklerotische und antiinflammatorische Eigenschaften zugeschrieben.
Dank seiner löslichen Ballaststoffe und Beta-Glucane hat Hafer auch eine cholesterinsenkende und antidiabetische Wirkung. Gemeinsam mit seinem hohen Magnesiumgehalt reguliert Hafer den Blutzucker so beeindruckend gut, dass es für Diabetiker regelrechte Hafer-Kuren gibt.
Eine Studie mit Menschen, die unter einem erhöhten Blutdruck leiden, kam zu dem Ergebnis, dass eine Diät aus ballaststoffreichem Vollkornhafer den Bedarf blutdrucksenkender Medikamente signifikant verringern und die Kontrolle des Bluthochdrucks verbessern kann. Eine Vergleichsgruppe, die statt Hafer Weizen zu sich nahm, zeigte keine positiven Veränderungen.
Auch in der Dermatologie wird Hafer eingesetzt: Ihm werden wundheilende Eigenschaften zugesprochen, Kosmetika mit Haferextrakten wirken positiv bei Hauttrockenheit und hautverjüngend. Haferstrohbäder gehören in vielen Wellnesshotels zum Standard.
Hafer ist als stark basisches Nahrungsmittel auch ideal um einer Übersäuerung entgegenzuwirken. Neben klassischen Haferflocken ist Haferkleie sehr empfehlenswert, da sie besonders hohe Konzentrationen als Beta-Glucanen enthält.

Besonderheit von Hafer

Grüner Hafer erfreut sich einer wachsenden Beliebtheit. Die Pflanzen werden bereits zur Blütezeit geerntet. Grüner Hafer wird vor allem als Tee angeboten, u.a. bei nervösen Einschlafstörungen, Harngrieß, rheumatischen Erkrankungen sowie gegen nervöse Unruhe. Pfarrer Kneipp setzte den grünen Hafertee zur Entwässerung und zur Anregung der Verdauung ein.
Aber auch, wer unter starker Anspannung oder geistiger Belastung steht, sollte es ruhig einmal mit einer Tasse Hafertee statt Kaffee versuchen. Denn Grüner Hafer zeichnet sich durch einen besonders schnellen Wirkungseffekt aus. Er hemmt 2 Enzyme im Gehirn, was zu seiner leichten stimmungsaufhellenden Wirkung und schnellen Energiefreisetzung führt. Grüner Hafer unterstützt das Konzentrationsvermögen und die Gedächtnisleistung, wirkt ausgleichend bei Stress.

Allgemeine Hinweise

Achten Sie beim Kauf von Haferflocken oder Haferkleie darauf, immer die Vollkornvariante des Hafers zu kaufen, da sich hier die meisten positiven Inhaltsstoffe finden. Verarbeitete Haferprodukte in Brot, Keksen etc. sind zwar immer noch gesünder als reine Weißmehlprodukte, doch die volle Wirkung des Hafers ist durch die Verarbeitung nicht mehr gewährleistet.