Geschichte und Vorkommen

Er heißt Grün-, Braun-, Kraus- oder Blätterkohl und ist der Lieblingskohl der Norddeutschen. Kaum vorzustellen, dass der winterharte Grünkohl (Brassica oleracea convar. acephala var. sabellica) ursprünglich aus dem Mittelmeerraum stammt und bereits bei den Römern äußerst beliebt war. Im Mittelalter avancierte der Grünkohl zu einem der wichtigsten Grundnahrungsmittel. In der kalten Jahreszeit versorgte er die Bevölkerung mit Vitaminen. Weil er beim Anbau wenig Ansprüche stellt, war er vor allem in den Ländern Nordwesteuropas als Wintergemüse weit verbreitet. Und so wird auf deutschen Märkten auch heute noch fast ausschließlich heimischer Grünkohl angeboten, hauptsächlich von Feldern in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen. Von den rund zweieinhalbtausend Tonnen, die pro Jahr in Deutschland gegessen werden, verputzen die Grünkohlfans zwischen Rhein und Weser ein Drittel ganz allein. Natürlich gibt es noch mehr typische Anbaugebiete in Mittel- und Westeuropa. Auch in Nordamerika und Teilen Afrikas ist der krause Kohl beliebt.

Inhaltsstoffe, Wirkung und Anwendung

Von allen Kohlarten besitzt Grünkohl den höchsten Anteil an Eiweiß und Kohlehydraten. Der krause Winterkohl ist zudem besonders reich an B-Vitaminen, Vitamin K, C und dem Provitamin A. Sein Vitamin C-Gehalt lässt sich mit dem von Paprika vergleichen, eine 200-Gramm-Portion Grünkohl deckt bereits 20 Prozent des täglichen Bedarfs. Betakarotin oder Provitamin A, eine Vorstufe von Vitamin A, hat die wichtige Aufgabe, die aggressive Energie von freien Radikalen aufzunehmen und als Wärme abzuleiten. Daneben kann Provitamin A freie Radikale auch auf chemischem Wege unschädlich machen. Die Anzahl der Mineralstoffe in Grünkohl kann sich ebenfalls sehen lassen: Calcium, Kalium, Eisen, Mangan, Magnesium und Jod. Dazu kommen dann noch sekundäre Pflanzenstoffe, beim Grünkohl Flavonoide, die zum einen die Aktivität von Vitamin C unterstützen. Andererseits wirken sie entzündungshemmend, blutdrucksenkend, antioxidativ, krebsvorbeugend, antimikrobiell und stärken das Immunsystem.

Allgemeine Hinweise

Im Gegensatz zu vielen anderen Kohlarten bildet der Grünkohl keinen Kopf. Seine Blätter wachsen an dünnen, sehr holzigen Stielen von 30 bis 40 cm Länge. Grünkohl hat in den Monaten Oktober bis April Saison und ist ein typisches Wintergemüse. Er ist einer der robustesten Vertreter der Kohlfamilie und hält Temperaturen bis -15 °C aus. Diese tun ihm sogar gut, denn Minusgrade wandeln die in ihm enthaltene Stärke in Zucker um. Damit schmeckt er nicht nur besser, er ist auch leichter verdaulich.
Beim Kauf ist es gut darauf zu achten, dass die Blätter breit, kraus, dunkelgrün und nicht zu groß sind. Außerdem dürfen sie keine Flecken aufweisen. Insgesamt sollte der Kohl knackig aussehen. Gewaschen und gut abgetropft kann Grünkohl einige Tage im Kühlschrank aufbewahrt werden. Im Winter verträgt er auch den Aufenthalt im Freien, am besten in einem perforierten Plastikbeutel. Bei langer Lagerung nimmt jedoch sein Vitamingehalt ab und der Geschmack leidet, deshalb lieber rasch verbrauchen.