Geschichte und Vorkommen

Der Ginkgo (Ginkgo biloba) gehört zu den ältesten Bäumen. Vorfahren soll es bereits gegeben haben, bevor Saurier unsere Erde bevölkerten. Einige Wissenschaftler vermuten eine 300 Millionen Jahre dauernde Geschichte. Im Laufe der Zeit hat sich aus verschiedenen Urformen mit teilweise nadeligen und mehrfach geteilten Blättern das charakteristische zweigeteilte Ginkgoblatt mit dem tiefen Einschnitt entwickelt. Nicht nur die Blätter, auch Baumrinde und Früchte werden in China seit dem 11. Jahrhundert für Heil- und Schönheitszwecke genutzt, aber erst 1578 tauchte er unter der Bezeichnung Silber-Aprikose in der chinesischen Literatur auf, ein Hinweis auf seine silbrig schimmernden Samenanlagen. Sein japanischer Name Entenfußbaum („icho“) spielt auf die Blattform an. Andere Namen, die der Ginkgo über die Jahrhunderte erhalten hat, sind Mädchenhaar-, Elefantenohr-, Großvater-Enkel-Baum und chinesischer Tempelbaum. Als Heimat des Ginkgos werden China, Japan und die ehemalige UdSSR angesehen, wo das botanische Urgestein die Eiszeiten überlebte. Heutzutage ist er aber weltweit in vielen Gärten und Parks zu finden und gehört zu den am meisten gepflanzten Bäumen. Sogar „Ginkgostädte“ gibt es. Neben Frankfurt, Heidelberg und München gehört auch Weimar dazu, wo er Goethebaum heißt. Dass ein aus den Blättern hergestellter Extrakt gegen Durchblutungsstörungen hilft, fanden in der 60iger Jahren deutsche Wissenschaftler heraus und revolutionierten damit die Ginkgo-Forschung.

Inhaltsstoffe, Wirkung und Anwendung

Sekundäre Pflanzenstoffe, genauer Flavonoide und aromatische Terpenoide, sind die für die Gesundheit wichtigen Inhaltsstoffe der Ginkgoblätter. Einige von ihnen wurden bisher nur beim Ginkgo gefundenen (Ginkgolide A, B, C, J und M). Ob es sich bei diesen speziellen Stoffen um die eigentlichen Wirkstoffe handelt, konnten Wissenschaftler aber noch nicht beweisen. Auch Alkohole, Phenole und organische Säuren wie China- und Ascorbinsäure (Vitamin C) sind in Ginkgo enthalten. Schon lange belegt ist die durchblutungssteigernde Wirkung von Ginkgo-Extrakten. Sie verbessern zum einen die Fließeigenschaften des Blutes und erweitern zum anderen die Blutgefäße. So wird der gesamte Organismus besser mit Sauerstoff versorgt. Häufigste Anwendungen: Konzentrationsschwäche, Altersdemenz, Impotenz, aber auch Muskelschmerzen. Präparate aus Ginkgoextrakten sind als Tropfen, Tabletten und Dragees im Handel. In Hautcremes wird Ginkgo zur Straffung der Haut eingesetzt, in Shampoo und Haarwasser soll es die Kopfhaut beleben und das Haarwachstum anregen.

Allgemeine Hinweise

Ginkgo ist eingeschlechtlich. Es gibt also männliche und weibliche Bäume, die in jungen Jahren schwer voneinander zu unterscheiden sind. Erst wenn sich frühestens nach 20 Jahren die ersten Blüten zeigen, lässt sich das Geschlecht erkennen und eine Fortpflanzung wird möglich – sofern ein andersgeschlechtlicher Ginkgobaum in der Nähe steht. Eine befruchtungsfähige Keimzelle bilden weibliche Blüten erst, wenn männliche Pollen sie wirklich erreicht haben. Die Früchte dieser Vereinigung sind in Japan beliebt. Sie fallen mit dem ersten Frost von den Bäumen und ähneln großen Pistazien. Zuvor müssen die grünen Ginkgonüsse aber noch aus ihrem übel riechenden Fruchtfleisch gelöst werden. Nach dem Rösten schmecken sie nussig und leicht bitter. Japaner mischen sie unter Reisgerichte oder kochen mit ihnen Pudding.