Geschichte und Vorkommen

Als die Pilgrim Fathers 1620 an der Küste von Cape Cod in New England landeten, waren sie vom Hungertod bedroht. Erst als ihnen die dort ansässigen Indianer zeigten, wie man von den einheimischen Pflanzen und Wild leben konnte, waren sie gerettet. 1621 feierten sie ihr erstes Thanksgiving-Fest auf amerikanischem Boden und bereiteten ein Festmahl aus wildem Truthahn, Kürbis, Maisbrot und den roten Verwandten der europäischen Heidelbeere, die sie Cranberries nannten – die Cranberry-Blüte erinnerte sie an den Kopf eines Kranichs (= engl. Crane). Die gesundheitsfördernden Eigenschaften der Cranberry (Vaccinium macrocarpon) sind in den USA seit langem bekannt und Bestandteil volkstümlicher Überlieferungen. Die Indianer nutzten sie zum Heilen von Wunden und zum Färben von Stoffen. Während der langen Walfangreisen waren die Frachträume der amerikanischen Schiffe voll mit Cranberries, mit denen die Seeleute dem gefährlichen Skorbut vorbeugten.
1984 lieferten Forscher der Harvard Medical School dann erste wissenschaftliche Belege für die antibakterielle Wirkung der Beeren. Erst 1998 fand ein anderes Wissenschaftler-Team heraus, welche Substanzen dafür verantwortlich sind: Es sind sogenannte Proanthocyanidine, verdichtete, ausschließlich in der Indianerbeere vorkommende Tannine, die die Bakterien in die Flucht schlagen.

Inhaltsstoffe, Wirkung und Anwendung

Cranberries sind reich an Vitamin C, Kalium, Phosphor und Natrium sowie Proanthocyanidinen. Diese Substanzen, die zur Gruppe der sekundären Pflanzenstoffe gehören, halten das Escherichia-Coli-Bakterium in Schach, das u.a. zu Harnwegsinfekten führen kann. Besonders bei Frauen, die unter häufigen Blasenentzündungen leiden, wird von einigen Forschern ein bis zwei Gläser Saft täglich empfohlen – aber Achtung, der Saft schmeckt säuerlich-bitter und ist nicht jedermanns Sache. Die Proanthocyanidine hemmen darüber hinaus die Vermehrung des berüchtigten Magen-Keims Helicobacter pylori, der für Magengeschwüre verantwortlich ist, und des Mundkeims Streptococcus mutans, der Karies und Parodontose begünstigt. Außerdem sind Proanthocyanidine wirkungsvolle Antioxidantien: Sie verlangsamen die Zellalterung und beugen Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor. Vermutlich hemmen sie auch das Wachstum von Tumoren. Im Tierexperiment konnten Cranberry-Erzeugnisse Brustkrebs bei Tieren eindämmen.

Allgemeine Hinweise

In Nordamerika gibt es weit über 100 verschiedene Cranberry Sorten. Sie blühen im späten Juni und frühen Juli. Die Ernte beginnt Mitte September und dauert bis Anfang November. Bei uns sind die Beeren als TK-Produkte, getrocknet, als Saft oder als Nahrungsergänzung erhältlich. Sie stammen nahezu alle aus dem US-Staat New England.