Geschichte und Vorkommen

Die Brennnessel (Urtica) kommt nahezu weltweit vor. Sie wächst überall wo der Boden stickstoffreich und es weder zu heiß noch zu kalt ist. Man findet sie an Wegrändern, Ufern, Lichtungen und Schuttplätzen. Wer diese Wildpflanze auch nur einmal kurz angefasst hat, weiß, woher ihr Name kommt: Es brennt wie Feuer, und es bilden sich juckende Quaddeln. Schuld daran sind feine Härchen, die an den gezackten Blättern und Stängeln sitzen und bei Berührung einen biochemischen Cocktail aus Ameisensäure und Nesselgift entleeren. Bereits die alten Griechen kannten und schätzten die Brennnessel als Arzneipflanze. Dioskurides lobte sie als Mittel zur Behandlung von Drüsenschwellungen, Lungenentzündung, Geschwüren und Furunkeln. Hildegard von Bingen empfahl die junge Brennnessel als gesundes Gemüse, das nicht roh, sondern gekocht den Magen reinigt. Man nutzte die Brennnessel als Aphrodisiakum und beschrieb ihre Samen darüber hinaus als fruchtbarkeitsfördernd. Zudem war die Brennnessel in der Klosterheilkunde ein Arzneimittel bei Halsentzündungen, Husten und wegen ihrer harntreibenden Wirkung bei Nierensteinen.

Inhaltsstoffe, Wirkung und Anwendung

Die Brennnessel ist eine sehr wertvolle Wildpflanze, die viel Vitamin C und Betakarotin, Calcium, Eisen und Gerbstoffe enthalten. Wegen ihres relativ hohen Nitratgehalts sollte sie jedoch nicht zu oft auf den Tisch kommen. Heilende Wirkungen haben Saft, Tee, Sirup und Tinktur aus Brennnesseln. Sie unterstützen innerlich angewandt die Nieren mit ihrer nachgewiesenen harntreibenden (diuretischen) Wirkung und helfen bei rheumatischen Beschwerden. Äußerlich werden sie bei fettiger Kopfhaut und Schuppen angewendet.

Allgemeine Hinweise

Man unterscheidet die große bis 150 cm hohe Brennnessel und die kleine, einjährige Brennnessel, die nur 15-45 cm hoch wird. Die große Art ist zweihäusig, das heißt, eine Pflanze besitzt nur männliche oder weibliche Blüten. Die kleine Art dagegen ist einhäusig: Eine Pflanze hat sowohl weibliche als auch männliche Blüten.
Brennnesselblätter haben einen frischen, aromatischen Geschmack und können vom Frühjahr bis in den Sommer gesammelt werden. Sie schmecken im Salat, in Kräuterbutter und werden wie Spinat zubereitet. Am schmackhaftesten sind die jungen Blätter und Triebe des Wildkrauts, sinnvollerweise mit Gummihandschuhen geerntet. Man muss übrigens keine Angst haben, sich Lippen, Zunge oder Gaumen zu verbrennen. Die Brennhaare verlieren durch Trocknen, Erhitzen und Zerkleinern ihre Wirkung. So steht dem kulinarischen Genuss nichts mehr im Weg.