Geschichte und Vorkommen

Borretsch (Borago officinalis) mit seinen strahlend blauen Blüten ist eine der schönsten Gewürzpflanzen. Weil seine behaarten Blättchen nach grüner Gurke schmecken, wird er auch Gurkenkraut genannt. Weitere Namen sind Gurkenkönig, Wohlgemut, Borgel, Liebäugel, Herzensfreund und Himmelsstern. Zwei mögliche Erklärungen gibt es zu seinem Namen. Zum einen, dass er vom lateinischen Wort borra „Gewebe aus rauer Wolle“ abgeleitet ist und sich auf seine Behaarung bezieht. Die andere besagt, dass der Name aus dem Arabischen kommt und „Vater des Schweißes“ bedeutet.
Araber brachten den ursprünglich aus Kleinasien stammenden Borretsch nach Europa, als sie im frühen Mittelalter Spanien besetzt hielten. Er wurde vor allem in der südwesteuropäischen Küche sehr beliebt. Die Blätter kochte man wie Spinat, die blauen Blüten wurden zur Färbung von Speisen und zur Herstellung von Farbe benutzt. Heute ist Borretsch im Mittelmeergebiet heimisch, oft wächst er dort wild. Im restlichen Europa und Nord-Amerika ist er in Gärten zu finden. Borretsch wächst gern auf humusreichen, feuchten Böden an sonnigen und halbschattigen Stellen. Im Südwesten Deutschlands wird er traditionell auf Gräber gepflanzt.

Inhaltsstoffe, Wirkung und Anwendung

In der Volksheilkunde wird Borretsch wegen seiner blutreinigenden, abführenden, harn- und schweißtreibenden Wirkung geschätzt. Die Pflanze ist reich an Kalium, Calcium, Vitamin C und Kieselsäure. Blätter und Blüten sollten jedoch nur sparsam verwendet werden, denn sie enthalten außer Gerb- und Schleimstoffen auch alkalische Stickstoffverbindungen (Alkaloide), die leberschädigend und krebserzeugend wirken können. Völlig unbedenklich ist dagegen Borretschsamenöl. Praktisch frei von den schädlichen Alkaloiden kann es äußerlich und innerlich angewendet werden. Das Öl enthält bis 45 Prozent der ungesättigten Linolensäure, einer für den menschlichen Körper sehr wichtigen Omega-3-Fettsäure, die er nicht selbst herstellen kann. Die Gamma-Linolensäure unterstützt die Bildung von entzündungshemmenden und krampflösenden Stoffen im Körper. Außerdem unterstützt sie das hormonelle Gleichgewicht bei Frauen. Borretschsamenöl wird zur äußerlichen Anwendung bei Neurodermitis und zur innerlichen bei dem prämenstruellem Syndrom (=PMS) und Rheuma empfohlen.

Allgemeine Hinweise

Borretsch ist ein wertvoller Helfer im Biogarten. Seine Blüten enthalten viel Nektar und ziehen Bienen an. Sein Kraut eignet sich hervorragend zur Gründüngung und verbessert die Bodenqualität. Borretsch ist eine wichtige Zutat für die berühmte Frankfurter grüne Sauce. Die Blättchen entwickeln ihr frisches, würziges Aroma am besten, wenn sie in feine Streifen geschnitten werden. Dafür aber besser nur junge Blätter verwenden. Um Borretsch haltbar zu machen, sollte er eingefroren werden. Beim Trocknen oder Kochen der Blätter geht das Aroma verloren.