Geschichte und Vorkommen

„Pflanze der Unsterblichkeit“, „Erste-Hilfe-Pflanze“ oder auch „Wüstenlilie” wird die Aloe vera (Aloe barbadensis Miller) genannt. Schon die chinesischen Kaiser wussten vor Jahrtausenden um ihren gesundheitlichen Wert. Alexander der Große ließ sie für seine Feldzüge in Wagen pflanzen, damit er immer frische Vorräte hatte und seine verletzten Soldaten damit behandeln konnte. Eine Idee, die Christopher Columbus Jahrhunderte später aufgriff: Er nahm Aloen in Kübeln auf seine Schiffsreisen mit. Auch die alten Ägypter kannten Aloe vera, wobei Nofretete und später Cleopatra sie zur Schönheitspflege verwendeten. Zur Gattung der Aloe-Pflanzen zählen über 300 verschiedene Arten, aber nur eine, die Aloe vera (lat. = wahre Aloe) eignet sich für Kosmetik- und Heilzwecke. Die Pflanze wird vor allem in Gebieten angebaut, in denen die Sonne viel scheint, in Mittel- und Südamerika, in der Karibik, in tropischen Ländern Asiens und auf den Kanarischen Inseln. Große Temperaturschwankungen vertragen sie schlecht. Sie beeinträchtigen ihr Wachstum und die therapeutische Qualität ihrer Wirkstoffe. Die besten Erträge werden beim Anbau in Mischkulturen erzielt. So wurde die Aloe vera schon von den alten Mayas angebaut.

Inhaltsstoffe, Wirkung und Anwendung

Bisher konnten in der Aloe vera über 160 Inhaltsstoffe nachgewiesen werden, darunter 13 Vitamine, diverse Mineralstoffe und Spurenelemente, pflanzliches Eiweiß, essenzielle Fettsäuren, Enzyme sowie Ballaststoffe (Lignine), ätherische Öle und bitter schmeckende Pflanzenstoffe (Saponine), die vor allem im Zusammenspiel heilend wirken. Der wichtigste Wirkstoff ist jedoch das langkettige Zuckermolekül Acemannan. Es stärkt die Immunkraft und sorgt zum Beispiel dafür, dass körperfremdes, Allergien auslösendes Eiweiß schnell abtransportiert wird. Weiter wirkt Acemannan Bakterien und Pilzen entgegen, schützt die weißen Blutkörperchen und das Knochenmark vor Umweltschadstoffen und stabilisiert die Darmflora. Während der Pubertät wird dieser Wirkstoff auch im menschlichen Organismus produziert, später kann er nur noch mit der Nahrung zugeführt werden. Ein weiterer wichtiger natürlicher Inhaltsstoff der Aloe vera ist Salizylsäure, der schmerzlindernde Wirkstoff in Aspirin. Verwendet wird nur die Gelmasse im Inneren der Blätter oder der Saft daraus, nie das Äußere. Das Gel ist sehr wohltuend für die Haut und unterstützt zudem die Wundheilung.

Allgemeine Hinweise

Die Aloe vera ist eine wahre Überlebenskünstlerin. Sie speichert Wasser in ihren fleischigen Blättern und kann so sehr lange Zeit in Trockenheit überleben. Zu 98 Prozent ernährt sich die Pflanze von Luft. Doch zunächst muss sie 2–3 Jahre intensiv gewässert werden, erst dann ist sie reif für die Ernte. Dabei werden jeweils nur die äußeren Blätter mit einem sauberen und vorsichtigen Schnitt von der Pflanze abgetrennt. Mindestens 12 Blätter müssen am Stock zurückbleiben, damit eine Pflanze etwa 8–10 Jahre genutzt werden kann.